AP2.2

AP2.2 Schwankungen der tiefen Randstromzirkulation a, Ausgang der Labradorsee

M. Visbeck, J. Fischer, R. Zantopp

Der Ausgang der Labradorsee bei etwa 53°N stellt eine Schlüsselregion der thermohalinen Zirkulation dar, in der sich die verschiedenen Komponenten des Nordatlantischen Tiefenwassers zum tiefen westlichen Randstrom (DWBC) vereinigen. Neu gebildetes Labradorseewasser aus dem nördlich gelegenen Konvektionsgebiet ist die oberste Komponente des DWBC. In der zentralen Labradorsee wurden in der letzten Dekade bei verringerter Konvektionsintensität deutliche Erwärmungen registriert (etwa 0.05°C pro Jahr), die sich in entsprechender Weise auch im Randstrom wieder finden. Im letzten Winter hat sich aber ein anderes Bild ergeben, die Konvektionstiefe hat signifikant zugenommen (Vage et al., 2008) und es gab deutliche Wassermassensignale im LSW Bereich (ca.0.1°C Temperaturabnahme, I. Yashayaev, pers. Mitteilung). Ob und wieweit die Variabilität der Wassermasseneigenschaften auch von Transportschwankungen begleitet wird, ist Gegenstand der aktuellen Forschung. Neuere Analysen von Fernerkundungsdaten im Verbund mit kurzen Strömungszeitserien zeigten Anzeichen für abnehmende Randstromzirkulation in der Labradorsee während der ersten Hälfte der letzten Dekade. Anzeichen für eine Abschwächung der Zirkulation im subpolaren Nordatlantik (etwa nach 1994) gibt es auch in Zirkulationsmodellen mit realistischem Antrieb. Eine Fortsetzung dieses Signals in den Zeitserien, die seit 1997 im Randstrombereich bei 53ºN registriert wurden, ist aber nicht offensichtlich.

Abb.1 (links): Schematisches Zirkulationsdiagramm der Labradorsee. Lage der wiederholten Schiffsschnitte ist durch dicke gestrichelte Linien angezeigt, Verankerungspositionen durch eingekreiste Kreuze.
Abb.2 (rechts):  Mittlere Stromgeschwindigkeiten entlang der Topographie aus Schiffsschnitten bei 53°N, plus Volumentransporte (in Sv) in isopyknischen Schichten. Geplante Verankerungen sind mit roten gestrichelten Linien angedeutet.

In einem Feldprogramm, das im Wesentlichen auf einem Verankerungssystem im tiefen Randstrom am Kontinentalabhang vor Labrador  beruht, soll dieses Signal kontinuierlich erfasst werden und mit Modellsimulationen der AP3.4 und AP4.1 verglichen werden. Zeitliche Veränderungen von Wassermassen-Eigenschaften im „Overflow“ der Dänemarkstrasse (AP2.3) sollten im Labradorsee-Array (53° N)  mit einer zeitlichen Verzögerung im tiefsten Niveau des DWBC beobachtet werden können. Die methodische Komplementarität von AP2.1 und AP2.2 ermöglicht die Einengung der Unsicherheiten grossskaliger beobachteter Transportschwankungen, und gewährleistet damit eine verbesserte Verifizierung entsprechender Modellergebnisse. mehr siehe IFM Geomar